So bin ich durchs Treppenhaus gegangen, habe Kaffee gekocht und getrunken, zwei Toasts mit dem Toaster getoastet, etwas in der Mikrowelle aufgewärmt und alles danach gegessen, Musik aufgelegt, gespült, abgetrocknet und die gewaschene Wäsche in den Schrank einsortiert.
Ich bin öfters mal nachts auf dem Bürgersteig in der Nähe von meiner Wohnung mit Augenbinde, High Heels und Blindenstock spazieren gegangen. Die Autos, die ab und zu mal in meiner Nähe auf der Straße vorbeifuhren, sind einfach ohne Kommentar weitergefahren.
Ich hatte zwischendurch nie das Bedürfnis gehabt, meine Augenbinde abzunehmen und die Schuhe auszuziehen. Es war wirklich sehr schön und habe meinen Körper dabei ganz intensiv wahrgenommen. Die Tuch vor den Augen schmiegte sich wirklich schön an und es fühlte sich atemberaubend wackelig an, auf diesen Stöckelschuhen zu stehen und gehen.
Ich das Gefühl, dass ich dabei hauptsächlich meine weibliche Seite auslebe, weil ich dabei immer wieder das Bedürfnis verspüre, mich komplett als Frau zu kleiden. Allein in meiner Wohnung ist es für mich kein Problem, aber ich möchte mich damit mehr öffentlich zeigen.
Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich nicht wirklich blind bin. Hat das überhaupt etwas mit BIID zu tun? Oder möchte ich meine Umgebung einfach nur mal mit meinen anderen Sinnen vorübergehend wahrnehmen? Kann man das Blindsimming nennen?


