BIID <=> Brillenwunsch

Bergwolf
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Re: BIID <=> Brillenwunsch

Beitrag: # 23210Beitrag Bergwolf
Mi 20. Nov 2019, 18:09

Hallo
Auch wenn es für die meisten stark fehlsichtigen Menschen ticken wir nicht richtig das verstehe ich auch ein Stück weit. Denn noch möchte ich eine starke Sehbehinderung die auch mit einer Brille nicht vernünftig behoben werden kann.

Bergwolf

caroline
Beiträge: 376
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Re: BIID <=> Brillenwunsch

Beitrag: # 23212Beitrag caroline
Do 21. Nov 2019, 20:46

Hallo Christa (und auch an die anderen Nichtbetroffenen, die sich hier umschauen).

Es ist erst einmal sehr irritierend, wenn man zum ersten Mal davon hört, dass sich jemand eine Behinderung oder wie in Deinem Fall eine starke Kurzsichtigkeit, "wünscht". Ein Wunsch ist immer mit etwas positivem besetzt und was kann schon positives an einer Behinderung sein? Es ist aber in unserem Fall nicht so, dass wir uns das wie eine neue Küche, Auto oder eine Reise wünschen.
Schon sehr früh in der Kindheit bemerken wir, das sich unser Körper nicht richtig anfühlt. Wenn wir dann unserem ersten Trigger begenen, wissen wir, dass z.B. wir uns auf zwei Beinen nicht richtig bewegen, mit Gehhilfen würde es sich besser anfühlen, das Bein gehört nicht zu mir, es muss weg. Oder die Augen nehmen zu viel wahr, wäre man Kurzsichtig, würde es sich besser anfühlen. Es ist so, als würden diese ständigen Reize unser Gehirn überfordern, und darum "wünschen" wir uns Abhilfe.
Wenn Du mal nachfühlen möchtest, wie diese ständige Überreizung uns auf die Dauer zusetzt, kannst Du ja mal ein kleines Experiment durchführen:
Benutze konsequent für einen Tag lang Deine nichtdominante Hand. (Rechtshänder alles mit links, Linkshänder alles mit rechts). Du wirst sehr warscheinlich schnell feststellen, dass es sich völlig falsch anfühlt was Du da machst. Das fühlen wir, jeden Tag, jede Stunde für unser ganzes Leben. Gegen Ende des Tages benutze dann für eine Tätigkeit Deine dominante Hand. Die Erleichterung die Du dann verspürst, ist die Erleichterung, wenn wir pretenden, Rollstühle, Brillen, Gehhilfen oder blickdichte Kontaktlinsen benutzen. Die Normalität, die sich dann am nächstenTag wieder einstellt, so möchten wir auch leben. Das können wir aber nur errreichen, wenn unser Körper dem angeglichen wird wie unser Gehirn steif und fest behauptet sein zu müssen.
Wir setzen uns schon seit Jahren mit den entsprechenden Behinderungen auseinander und wissen genau welche Nachteile man dadurch haben kann, die Gefahren kennen wir genau. Aber trozdem ist alles andere besser, als dieser Stress, dem wir jeder Sekunde unseres Lebens ausgesetzt sind.
Und ja, so verrückt es sich auch anhören mag, mit den entsprechenden Hilfsmitteln fühlen wir uns attraktiver, selbstbewusster und freier. Sie sind ein Zeichen der Erleichterung und nicht einer Behinderung.

Gruss
Andrea (entsspannt im Rolli sitzend ;) )

Leontinchen
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Registriert: Sa 23. Nov 2019, 16:28

Re: BIID <=> Brillenwunsch

Beitrag: # 23219Beitrag Leontinchen
Sa 23. Nov 2019, 23:17

christa hat geschrieben:
Mo 18. Nov 2019, 09:09
Vor ein paar Tagen erzähte mir eine Freundin, dass es Menschen gibt, die sich eine solche Kurzsichtigkeit wünschen, viel dafür tun, sie zu erhalten oder zu simulieren.
Hallo Christa,
Mir ging es gleich wie dir. Ich wusste auch nicht, dass es Augen-Biid gibt. Oder wie das nun korrekt heisst. Ich bin auch aus einer Maulwurfsfamilie. Aus -0.75dpt im Alter von 14 wurden bis jetzt -6dpt und dazu ein nicht-korrigierbarer Anteil. Dazu Hornhautverkrümmung.
Ich habe über die Beiträge nachgedacht, und wundere mich nun doch, dass ich finde, dass diese Einschränkung mir gar nichts ausmacht. Wenn ich zB meine Augen eintauschen könnte, würde ich das gar nicht wollen. Es sind meine Augen, und ich verstecke mich auch ganz gerne hinter meiner Brille . Mit Kontaktlinsen fühle ich mich komisch "nackt", tönt vielleicht blöd, ist aber so. Also ich würde es auf den Punkt bringen und sagen, auch ohne minus-dpt würde ich eine Brille tragen wollen.

Leontinchen

christa
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Registriert: Fr 15. Nov 2019, 19:21

Re: BIID <=> Brillenwunsch

Beitrag: # 23228Beitrag christa
So 24. Nov 2019, 15:26

Hallo,
ich habe die letzten Tage doch einiges dazu gelernt. Nicht nur, dass es Menschen gibt, die sich eine starke Kurzsichtigkeit oder andere körperliche Einschränkungen dringend wünschen und auch aktiv daran arbeiten, diese zu bekommen, sondern auch die Motivation dazu. Ich habe erfahren, dass es sehr starke Gefühle geben kann, seinen Körper aus der "Normalität" in einen Zustand zu korrigieren, bei dem man sich dann in diesem "neuen Köper" besser fühlen kann. Dies ist zwar nicht meine Welt und ich kann und muß es auch nicht verstehen, aber ich habe diese Beiträge und Erklärungen mit großem Respekt registriert. Und wenn es so ist, dass man seinen Köper aus der "Normalität" weg-korrigieren muß, um sich in diesem Köprer wohl zu fühlen, dann kann und muß man für diese Korrekturen auch Verständnis aufbringen. Da ich mich in Sachen starke Kurzsichtigkeit sehr gut auskenne, hoffe ich nur, dass die Menschen, die so eine Kurzsichtigkeit herbei führen wollen, diese nur mit Maßnahmen vornehmen, die die Sehkraft nicht irreversibel massiv reduzieren oder gar zerstören.
Hallo Jochen, danke für Deine Ratschläge, wie ich beim Duschen durch Fühlen meine Kurzsichtigkeit überbrücken sollte. Nur leider sind diese nicht praxistauglich. Ich habe nur verkürzt geschrieben, dass eine starke Kurzsichtigkeit im Alltag schon sehr nervig sein kann. Ausführlich beschrieben ist zunächst fest zu halten, dass ich mit meiner starken Kurzsichtigkeit nur wenige Zentimenter vom Auge entfernt klar sehen kann, alles weitere ist diffus, nebelig usw. D.h. ich kann auf dem Weg zur Dusche auch nicht den Boden sehen, auf dem ich gehe, auch nicht das kleine Mäuerchen in die Duschwanne, auch nicht die Dusch-Glastüre, auch nicht die Wasserhähne usw. Das einzige, was hier hilft, ist meine Brille.
Ich habe kein Problem mit meinen Brillen, die ich fast mein ganzes Leben schon getragen habte. Ich bin auch deswegen nie ausgelacht worden, ich war nie die Brillenschlange.(das waren immer die anderen, obwohl deren Brillen nur einen Bruchteil der Sträke hatten wie meine) Was micht belastet, ist meine Kurzsichtigkeit, mit der ich so gut wie nichts sehen kann. Es ist schon richtig, blind bin ich nicht,(Gott-sei-Dank) ich sehe die Helligkeit, Farben - zwar alles sehr verschwommen - aber ohne meine Brille bin ich fast genau so hilflos wie ein Blinder.
Euch allen noch einen schönen Sonntag !!.Christa

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